Altersvorsorge – auch für Lehrer nötig?

Brauchen Lehrer eine private Altersvorsorge, wenn sie doch eine Pension erhalten? Diese Frage wird immer mal wieder gestellt.

Sehen wir uns das Thema am Praxisbeispiel an: 71,75% soll die Versorgung nach 40 Dienstjahren betragen. Wer seine Beamtenlaufbahn mit der Besoldungsgruppe A 12 durchläuft, hätte zum regulären Pensionseintritt mit 67 Jahren einen Anspruch auf 2.526,14 EUR monatlich. Das ist nur knapp weniger, als für einen heute 28-Jährigen zu Beginn seiner Beamtenlaufbahn (nach dem Anwärterdienst). Kann dann die Rede von einer “Rentenlücke” sein?

40 Dienstjahre sind ein hehres Ziel. Allerdings scheiden 80 Prozent aller im Schuldienst beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer vor Erreichen der regulären Altersgrenze aus dem Schuldienst aus – und haben oftmals massive finanzielle Einbußen hinzunehmen. Gleichzeitig stehen die Pensionen unter finanziellem Druck. Sie werden in der Regel aus dem laufenden Etat des Dienstherrn bezahlt und sind nicht oder nur unzureichend rückgedeckt. Aufgrund von Pensionierungswellen in den nächsten Jahren steigen die Lasten für die öffentlichen Haushalte massiv an. Nicht zuletzt die in den Haushalten verankerten Schuldenbremsen kollidieren zudem mit den hohen Lasten. Eine weitere Senkung der Pensionen ist also nur noch eine Frage der Zeit und der Höhe der Absenkung.

Bleiben wir aber beim planbaren und gehen nun wieder zurück zu unserem Beispiel. In der A 12-Laufbahn wird eine Pension in Höhe 2.526,14 EUR mtl. in Aussicht gestellt – in 40 Jahren. Das sieht zunächst nicht nach einer ernstzunehmenden Lücke aus. Steht aber in einem anderen Licht, sobald man die meistunterschätzte Gefahr einberechnet: die Inflation. Eine moderate (und von der EZB und der Politik in dieser Größe gewollte) Inflation von 2 Prozent jährlich lässt die Pension auf eine Kaufkraft von 1.144,06 EUR – aus heutiger Sicht – schrumpfen. Dies setzt natürlich voraus, dass Einkünfte und Pension in der Zwischenzeit keine Anpassung erfahren. Dazu sei aber wieder auf den politischen und finanziellen Druck auf die Beamtenversorgung verwiesen.

Es dürfte somit relativ klar sein, dass auch Lehrerinnen und Lehrer – trotz deutlich besserer Versorgung als gleich bezahlte, aber rentenversicherte Beschäftigte – sich um eine Ergänzung ihrer Altersvorsorge kümmern sollten. Für den Bauch spielt oft die eigengenutzte Immobilie eine große Rolle. Diese muss natürlich berücksichtigt werden, doch neben monatlichen Pensionszahlungen und dem im wahrsten Sinne des Wortes immobilen wie illiquiden Vermögenswert Haus sollte zum Ruhestand Kapital zur freien Verfügung stehen.

Und dieses baut sich am besten auf, indem monatlich angespart wird. Und das idealerweise rechtzeitig. Wer 100.000 EUR Kapital aufbauen möchte, zu 4% Rendite jährlich anlegt und mit 27 Jahren beginnt, muss dafür monatlich 85,84 EUR ansparen. Wer fünf Jahre wartet, liegt bereits bei einem Beitrag von 110,74 EUR. Und wer erst mit 37 startet, muss für das gleiche Ziel 145,43 EUR monatlich aufwenden.

Und während der Frühstarter insgesamt 41.320,20 EUR aufwenden muss, um sein Sparziel zu erreichen, sind es beim 37-Jährigen bereits 52.354,80 EUR. Das ist ein Mehrbeitrag von 26,7 Prozent! Es zeigt sich also: die Laufzeit ist letztlich der entscheidende Faktor. Der Zinseszinseffekt lässt grüßen.

Diskutieren ließe sich jetzt natürlich noch, ob man sich mit 4% Rendite begnügen muss  und mit welchen – idealerweise nicht nur ökonomisch lukrativen, sondern auch ethisch-ökologisch verträglichen – Mitteln und Wegen man seine Ziele erreicht.

Unstrittig dürfte allerdings sein, dass auch Lehrer und Beamte sich um ihre private Vorsorge kümmern sollten. Und das idealerweise zu Beginn der Beamtenlaufbahn.