Referendariat und Private Krankenversicherung

Die einen kümmern sich früher, die anderen kurz vor knapp: wenn nach erfolgreichem Lehramtsstudium ein Referendariatsplatz gefunden wurde, steht die Wahl einer Privaten Krankenversicherung (PKV) an. Zwar kann man auch als Referendar in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben – da hier aber keine speziellen Beihilferestkostentarife (die so sperrig klingen, weil der Dienstherr einen Anteil der Kosten übernimmt – aber halt nicht alles!) angeboten werden, geht für die meisten der direkte Weg in die PKV.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:

1) Sozusagen im Vorbeigehen nach Kurzumfrage unter den Kommilitonen den Versicherer wählen, den die Mehrheit genommen hat.

2) Sich über die verschiedenen Optionen beraten lassen. Gut 30 Versicherer mit verschiedenen Tarifkombinationen bieten Beihilferestkostenversicherungen an – und weisen (wie sollte es anders sein?) Unterschiede auf.

Da es sich bei der Wahl einer PKV sehr wahrscheinlich um eine Lebensentscheidung handelt, die nicht mehr revidiert werden kann, spricht viel für Variante 2).

Dabei ist natürlich ein roter Faden zu beachten:

1. Die verschiedenen Optionen können mithilfe professioneller Software – und Beratung – miteinander verglichen werden. Im ersten Schritt können so die Leistungsumfänge nebeneinander gestellt und bewertet werden – und die oftmals nicht ganz kleinen Unterschiede werden sichtbar.

2. Leistung ist nicht alles. Natürlich auch der Preis – aber hier vor allem die Preisstabilität des Anbieters und seine grundsätzliche Aufstellung. Niemandem ist mit einem Preisbrecher gedient, der langfristig überproportional teuer wird.
Wichtig: der Preis während des Referendariats, aber auch der für die Zeit DANACH sollte zu Beginn schon geprüft werden. Der ein oder andere Versicherer ist für Referendare besonders günstig – später aber teurer. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

3. Die Gesundheitsfragen: an den ausführlichen Fragen eines jeden Versicherers kommt niemand vorbei. Und oft sind es vermeintliche “Zipperlein”, die Versicherer nicht gerne sehen, wie die “kleine Verspannung” im Examen, die mithilfe von Massagen behoben werden konnte. Was aber tun, wenn “Zipperlein” vorliegen? Dann hilft eine Risikovoranfrage. Hier wird verschiedenen Anbietern der Gesundheitszustand übermittelt und um Bewertung gebeten. Die Optionen sind dann: Ablehnung, Normalannahme oder Annahme mit Risikozuschlägen. Hier ist jeder Fall anders gelagert, man bekommt durchaus auch eine Ablehnung bei Versicherer A und eine Normalannahme bei  Versicherer B.

Nach Vorerkrankung – oder schon bei leisen Zweifeln – ohne Risikovoranfrage zu arbeiten, ist fahrlässig: eine eventuelle Ablehnung muss beim nächsten Versuch bei einem anderen Versicherer angegeben werden – und erhöht dort leider nicht die Chancen!

4. Der Entscheidungsprozess: wenn alle Möglichkeiten vorliegen, konzentriert, aber gelassen abwägen. Verschleppen sollte nicht sein, Hektik ist aber genau so wenig angebracht. Nach Eintritt ins Referendariat besteht noch für zwei Monate die Option die Wahl einer PKV nachträglich zum Referendariatsbeginn.

Wer diese Schritte beachtet, ist gut beraten. Darüberhinaus sollte noch einmal der Blick über den Tellerrand gerichtet werden, da auch noch andere Themen drängen.

– nach Ende des Studiums ist i.d.R. niemand mehr über die Eltern haftpflichtversichert. Und für den Schuldienst wird eine Dienst- und Schlüsselhaftpflichtversicherung nötig.

– oft wird neidvoll auf die Beamtenversorgung geblickt. Dabei ist ein Ausscheiden vor Verbeamtung auf Lebenszeit im Regelfall ein finanzielles Desaster und sollte mit einer privaten Dienstunfähigkeitsvorsorge verhindert werden.

– mit den bescheidenen Vermögenswirksamen Leistungen (VL) des Dienstherrn (bei voller Stelle: 6,65 EUR monatlich) wird man nicht zum Krösus, verschenken muss aber auch nicht sein.