Dienstunfähigkeits- statt Berufsunfähigkeitsvorsorge

(Angehende) Referendarinnen und Referendare stehen immer wieder vor der Frage, ob sie als Lehrer/Beamte vollumfänglich für den Fall der Dienstunfähigkeit abgesichert sind. Was die Leistungen bei Dienstunfähigkeit durch den Dienstherrn angeht, kann diese Frage eindeutig verneint werden. Hier sind zwei Voraussetzungen zu erfüllen: eine fünfjährige Wartezeit im Beamtenverhältnis und die erfolgte Verbeamtung auf Lebenszeit. Dann fließt im schlimmsten Fall eine Basisversorgung. Zuvor gibt es lediglich Kann-Leistungen bei Dienstunfall oder -beschädigung. Eine Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ist zwar theoretisch möglich, praktisch aber kaum, da Berufsanfänger hier die wiederum erforderlichen Wartezeiten nicht erfüllen…

Die Absicherung des Einkommens ist also auch für (angehende) Beamte ein Thema. Zu Beginn der Laufbahn besonders. Aber auch bei bereits erreichter Grundversorgung durch den Dienstherrn sollte ein ergänzender privater Schutz beibehalten werden. Wie aber macht man es richtig?

Ein Beispiel aus der Praxis macht die Sache greifbar: eine angehende Referendarin, Mitte 20, verfügt nach eigenen Worten über eine entsprechende Absicherung des Einkommens. Sie nennt einen bekannten Versicherer – der allerdings nicht dafür bekannt ist, über eine echte und vollständige Dienstunfähigkeitsklausel zu verfügen. Ihr Anruf bei den Eltern, die sich bisher um die Versicherungsangelegenheiten kümmern, macht aber scheinbar klar: alles gut! Die Mutter hat ihrerseits mit der Versicherungsvertreterin gesprochen, Aussage dort: “Ja, das ist auch für Lehrer!”. Die folgende Prüfung der Unterlagen bestätigt allerdings den Verdacht, dass es sich um eine reine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Dienstunfähigkeitsklausel handelt. Die leistet zwar auch, wenn ein Lehrer berufsunfähig wird – folgt aber nicht automatisch der amtsärztlichen Dienstunfähigkeitsschreibung. Diese Kausalität aber ist das Geheimnis einer echten und vollständigen Dienstunfähigkeitsklausel. Hier gilt für Beamte wie Beamtenanwärter, dass die Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit automatisch auch die Leistung aus der privaten Vorsorge auslöst.

Die Unterscheidung zwischen Berufs- und Dienstunfähigkeit ist dabei nicht fein, sondern dramatisch. Aktuelle Zahlen deutscher Versicherer zeigen, dass ca. 32 Prozent aller Ablehnungen von Leistungsanträgen aus der “normalen” Berufsunfähigkeitsversicherung darauf beruhen, dass  die Versicherten die umfänglichen Fragebögen zum Gesundheitszustand nicht zurücksenden und weitere 28 Prozent ohne Leistung bleiben, da der für die Leistung notwendige Grad der Berufsunfähigkeit in Höhe von 50 Prozent nicht erreicht wird.

Bei Beamten, die gegen Dienstunfähigkeit – mit den entsprechenden Bedingungen – abgesichert sind, kann das nicht passieren: da der Versicherer letztlich dem Votum des Dienstherrn über die Versetzung in den Ruhestand folgt, wird keine eigene Gesundheitsprüfung vorgenommen. Dementsprechend kann es auch kein Unterschreiten eines festgelegten Dienst- bzw. Berufsunfähigkeitsgrades geben. Damit wird die private Dienstunfähigkeitsversicherung für Lehrer und Beamte zur schlüssigen Lösung – gerade in einem Beruf mit hohen Anforderungen an die psychische Leistungsfähigkeit. Psychische Erkrankungen machen den höchsten Anteil bei der Dienstunfähigkeit aus – und sind oft Streitfall bei oder nach der Prüfung der Leistungspflicht von Versicherern. Wohl dem, der mit dem passenden Schutz eine solche Prüfung umgehen kann.

Was bleibt, ist also die Suche nach der passenden Absicherung mit den richtigen Vertragsklauseln und den passenden Leistungen zum angemessenen Preis. Für unsere angehende Referendarin aus dem Praxisbeispiel kam die Erkenntnis, nicht passend abgesichert zu sein, noch zum rechten Zeitpunkt. Durch einen einwandfreien Gesundheitszustand – der bei privaten Absicherungen dieser Art immer abgefragt wird – war der nahtlose Wechsel in den passenden Versicherungsschutz für die Referendars- und Lehrerlaufbahn kein Problem.