Vorerkrankungen und private Krankenversicherung

Unser Kunde war ganz unbekümmert: “Gesundheitliche Probleme? Nein, ich bin fit. Nur der Bandscheibenvorfall vorletztes Jahr…” Der Lehramtsstudent hatte dabei noch Glück gehabt. Er hatte sich im Studium für das Fach Sport beim Trampolinspringen verletzt. Nicht sonderlich schwer, aber die Diagnose stand fest und sollte bei der Beantragung einer Privaten Krankenversicherung Folgen haben…

Der Rückbetrachtungszeitraum der privaten Krankenversicherung beträgt für ambulante Fälle (Krankenhausaufenthalte unterliegen einem längeren Betrachtungszeitraum) 3 Jahre – der Kunde war also direkt betroffen. Aufgrund der Diagnose haben wir mit einer sogenannten Risikovoranfrage gearbeitet: verschiedene Versicherer erhielten die Anfrage und wurden um Stellungnahme gebeten. Damit vermeidet man Ablehnungen – die man bei anderen Versicherern und eventuellen späteren Anträgen angeben müsste. Erwartungsgemäß haben alle angefragten Versicherer einen Risikoaufschlag berechnet. Beim Anbieter der Wahl wurden es schließlich 60 Euro im Monat – die immerhin erst nach Ende des Referendariats erhoben wurden. Aufgrund der Beihilferegelung und dem noch relativ überschauberen Grundbetrag der Krankenversicherung wird der Kunde das verkraften können. Günstiger als der Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung ist es allemal, da hier vom Dienstherrn kein Arbeitgeberanteil mehr übernommen würde und dementsprechend ein deutlich höherer Gesamtbeitrag alleine zu tragen wäre.

Dennoch bleibt der Zuschlag ärgerlich. Berechnet man nur die aktiven Dienstjahre, so summiert sich der Mehrbeitrag auf 28.800 Euro nach 40 Jahren. Kalkuliert man nun noch 4 Prozent jährliche Rendite, zu denen man die 60 Euro Monat für Monat hätte anlegen können, so “fehlen” knapp 70.000 Euro.

Dabei wäre eine frühe Vorsorge günstig gewesen. Eine Anwartschaft auf die private Krankenversicherung für Lehramtsstudenten bieten viele spezialisierte Versicherer an. Hier wird der Gesundheitszustand wie bei einem “echten” Antrag aufgenommen und in der Fachabteilung des Versicherers geprüft – bei einwandfreier Annahme muss dann zum Referendariatsbeginn nur noch umgestellt werden. Das hat nicht nur den Vorteil, dass zwischenzeitlich aufgetretene Krankheiten keine Rolle mehr spielen. Auch die mitunter stressige Zeit zwischen Ende des Studiums und Referendariatsbeginn wird damit nicht mehr belastet.

Eine solche Anwartschaft gibt es bereits ab 1 Euro monatlich. Selbst bei einer Absicherung bereits zu Studienbeginn und 10 Semestern bis zum ersten Staatsexamen wären dies Kosten von maximal 60 Euro insgesamt. Gegenüber dem zuviel gezahlten Beitrag und vor allem der insgesamt entgangenen Summe eine lächerlich geringe Investition…