Wie sichere ich mich optimal ab?

Die Dienstunfähigkeitsversicherung sichert die finanziellen Nachteile derjenigen ab, die aus gesundheitlichen Gründen Ihren Beruf vorübergehend oder langfristig nicht mehr ausüben können. Und dieses Risiko ist nicht zu unterschätzen! Rund die Hälfte der krankheitsbedingten Frühpensionierungen von Beamten erfolgt aufgrund psychischer und Verhaltensstörungen. Daneben sind Herz-Kreislauf- sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen die häufigsten Gründe für Dienstunfähigkeit.  

Dienstunfähigkeit ist damit eines der gefährlichsten sozialen Risiken, dass durch die Beamtenversorgung nur teilweise abgesichert ist. Eine private Dienstunfähigkeitsvorsorge mit einer echten und vollständigen Dienstunfähigkeitsklausel sollte daher zu den Standardversicherungen für jeden Lehrer und Referendar gehören.   

  • Nach § 42 Absatz 1 Bundesbeamtengesetz (BBG) ist der Beamte auf Lebenszeit dann in     den Ruhestand zu versetzen, wenn er infolge eines körperlichen Gebrechens oder wegen   Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte zur Erfüllung seiner Dienstpflichten   dauernd unfähig (dienstunfähig) ist. Als dienstunfähig kann der Beamte auch dann angesehen werden, wenn er infolge Erkrankung innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten mehrals  drei Monate keinen Dienst getan hat und keine Aussicht besteht, dass er innerhalb weiterer sechs Monate wieder voll dienstfähig wird. Voraussetzung für die Leistung ist des Dienstunfähigkeitsruhegehalts ist die Erfüllung einer fünfjährigen Wartezeit. 
  • Beamte auf Widerruf werden bei Dienstunfähigkeit in der gesetzlichen Sozialversicherung   nachversichert. Das klingt, als habe man tatsächliche Ansprüche – das ist aber selten so.   Leistungen aus der gesetzlichen Sozialversicherung bedingen, dass entsprechende Beiträge geleistet wurden. Die wenigsten Referendare erfüllen das. Beamte auf Widerruf haben damit nur sehr geringe oder gar keine Ansprüche (Hartz IV) – es sei denn, die Dienstunfähigkeit ist auf einen Dienstunfall zurückzuführen.
  • Bei Dienstunfähigkeit bei Beamten auf Probe wird das Beamtenverhältnis durch Entlassung    und Nachversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung beendet. Die Zahlung eines   Unterhaltsbetrags ist lediglich eine Kann-Leistung des Dienstherrn, ein Rechtsanspruchbesteht nicht. Zieht ein Dienstunfall die Dienstunfähigkeit nach sich, erfolgt die Versetzung in    den Ruhestand mit Auszahlung des dazugehörigen Ruhegehalts.  

Eine sichere Basisversorgung aus dem Dienstverhältnis erhalten also nur Lehrer, die die Verbeamtung auf Lebenszeit erreicht haben und mindestens fünf Jahre Wartezeit erfüllt haben stehen. Wer vorher aus gesundheitlichen Gründen ausscheidet, scheitert im Regelfall auch an der Nachversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung – hierfür sind Wartezeiten erforderlich, die nur durch eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit erreicht werden können, was für die wenigsten Referendare zutreffen dürfte. Auf gut Deutsch bleibt dann Hartz IV als letzter Ausweg. Ein Dilemma für alle Referendare und Junglehrer, das unbedingt durch einen privaten Versicherungsschutz gedeckt sein sollte. 

Auch hier: Gesundheitsprüfung 

Genau wie bei der privaten Krankenversicherung ist eine Gesundheitsprüfung erforderlich. In diesem Fall wird 5 bzw. 10 Jahre zurück gefragt. Die Versicherer reagieren hier seltener mit Risikozuschlägen, sondern eher mit Leistungsausschlüssen – und natürlich auch Ablehnungen. Leistungsausschlüsse können z.B. so aussehen, dass nach einer recht frischen Kreuzbandoperation das betroffene Knie vom Versicherungsschutz ausgenommen wird. Heißt also: führt das Knie zur Dienstunfähigkeit, wird nicht geleistet. Solche Leistungsausschlüsse können aber u.U. nach einiger Zeit überprüft werden. Ist die Erkrankung ausgeheilt, fällt der Leistungsausschluss weg und der Versicherer leistet auch hier. 

Was also ist zu tun? 

  1. Wirklich wichtig ist auch hier der individuelle Preis-Leistungs-Vergleich der verschiedenen   Angebote! – Achtung: es gibt hier nur eine Handvoll Anbieter, die die echte und vollständige Dienstunfähigkeitsklausel bieten!  Auch jenseits der Dienstunfähigkeitsklausel ist auf sehr gute Versicherungsbedingungen zu achten.  
  2. Es gibt verschiedene Absicherungskonzepte/-höhen in verschiedenen Preiskategorien. Zu Beginn sollte mehr versichert sein (zunächst gibt es ja über Jahre keine Pflichtleistung des Dienstherrn), später sollte man absenken können (da ja dann der Dienstherr eintritt)
  3. Man kann es gar nicht oft genug schreiben: Beim leisesten Hauch eines Zweifels über die   eigene Krankengeschichte (die auch nicht aus der Erinnerung, sondern aus der Arzt- oder Krankenversicherungsakte der letzten Jahre kommen sollte!) sollte unbedingt eine   Risikovoranfrage gestellt werden. Darunter versteht man eine gleichzeitige Anfrage bei   verschiedenen Anbietern – denn oft reagieren die Risikoprüfer bei den Versicherern unterschiedlich. Während der eine ablehnt und der nächste nur mit Leistungsausschlüssen annimmt, sagt der übernächste eine Normalannahme zu.  

Ganz wichtig ist es, auf eine echte und vollständige Dienstunfähigkeitsklausel zu achten!  

Echte Klausel: Entlassung und Versetzung WEGEN Dienstunfähigkeit muss als vollständige Berufsunfähigkeit gelten, ohne dass eine Berufsunfähigkeits-Prüfung durchgeführt wird.  

Vollständige Klausel: Entlassung UND Versetzung wegen Dienstunfähigkeit muss als vollständige Berufsunfähigkeit gelten. Das bedeutet, dass Anwärter UND  Beamte auf Probe sowie Lebenszeit Versicherungsschutz bei Dienstunfähigkeit haben. 

Übersetzung: über eine Dienstunfähigkeit entscheidet ein Amtsarzt. Versicherer, die die hier genannten Anforderungen erfüllen, folgen dann dem Votum des Amtsarztes. Das ist eine große Besonderheit, da ohne die echte und vollständige Dienstunfähigkeitsklausel der Versicherer eine eigene Prüfung durchführen kann und wird.  

Alternativen, wenn keine Dienstunfähigkeitsversicherung möglich is 

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Dienstunfähigkeitsversicherung erhält, kann noch andere Alternativen prüfen. Zunächst sollte die Basis der Voranfrage auf Berufsunfähigkeitsversicherungen ausgeweitet werden. Hier gibt es zunehmend Anbieter, die auch schon bei einer mehrmonatigen Arbeitsunfähigkeit (befristet) leisten, was eine wertvolle Alternative sein kann. Ist auch hier nichts zu gewinnen, sollte die Prüfung auf Erwerbsunfähigkeitsversicherung und andere Lösungen erweitert werden. Gerade für die ersten Jahre im Beamtenverhältnis gilt: jeder Schutz ist besser als gar kein Schutz.   

Was sollte ich wann tun?  

Im Studium ist eine Absicherung bereits möglich – und oftmals aufgrund des jungen Eintrittsalters und des normalerweise tadellosen Gesundheitszustand der beste Zeitraum, um sich diesen wichtigen Baustein zu sichern. Und man ist im Studium bereits finanziell abgesichert, wenn man durch Unfall oder Krankheit länger ausfällt. 

Mit Beginn des Referendariats sollte das Thema spätestens angepackt werden. Der Dienstherr leistet hier nur in den oben definierten Fällen!  

Nach dem Referendariat ist immer noch nicht die Mindest-Leistung durch den Dienstherrn erreicht! Wer im Referendariat noch keine Vorsorgemaßnahme ergriffen hat, sollte dies spätestens im direkten Anschluss daran in die Hand nehmen. Nach Erreichen der fünfjährigen Wartezeit im Beamtenverhältnis kann der Versicherungsschutz unter Berücksichtigung des Dienstunfähigkeitsruhegehalts angepasst werden. Dabei sollte allerdings die aktuelle Lebenssituation berücksichtigt werden: wer Kinder hat oder ein (Eigenheim)Darlehen abbezahlt, sollte sein Einkommen hier entsprechend absichern.  

Dienst- und Schlüsselhaftpflichtversicherung 

Die Haftpflichtversicherung hat die Aufgabe, den oder die Versicherten von Schadenersatzansprüchen freizustellen. Wer anderen einen Schaden verursacht, ist nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haftbar und unbegrenzt schadenersatzpflichtig. Bei einem „Kleinschaden“ ist dies kein Problem. Wenn aber der Schaden in einer Größenordnung von mehreren hunderttausend Euro oder gar in Millionenhöhe liegt, kann er nicht mehr alleine getragen werden. Verursacher haften ein Leben lang mit Ihrem Privatvermögen bis zur Pfändungsgrenze. 

Für den Lehrerberuf ist es daher wichtig, sich zusätzlich durch eine Diensthaftpflichtversicherung zu schützen. Diese kann in eine Private Haftpflichtversicherung eingeschlossen werden. Die Haftung ist in   § 839 BGB geregelt: Verletzt ein Beamter vorsätzlich oder fahrlässig die ihm einem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht, so hat er dem Dritten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Solltest Du durch eine grob fahrlässige Pflichtverletzung einen Schaden verursachen, wie z.B. durch die Nichtbeachtung von Dienstvorschriften, bist Du voll haftbar zu machen. Dies kann z.B. die Verletzung der Aufsichtspflicht in Schulen und auf Klassenfahrten sein. 

Achte beim Abschluss auf folgende Punkte, die mitversichert sein sollten: 

  • Regressanspruch des Dienstherrn gegen den Versicherungsnehmer wegen eines Personen-   oder Sachschadens, auch für Regressansprüche, bei denen es sich um öffentlich-rechtliche   Ersatzansprüchehandelt 
  • Schäden am fiskalischen Eigentum z.B. Schäden am Eigentum der Schule   
  • Abhandenkommen von Dienstschlüsseln mit einer ausreichenden Versicherungssumme (mind. 20.000 EUR)

Im Studium besteht oftmals noch Schutz über die Eltern. Wir raten allerdings in jedem Fall zur Prüfung – bitte den noch bestehenden Schutz schriftlich vom Versicherer der Eltern bestätigen lassen. Bitte Vorsicht im Schulpraktikum bei Aushändigung von Schulschlüsseln!  

Zum Referendariatsbeginn ist allerspätestens der Zeitpunkt, sich um diesen Versicherungsschutz zu kümmern. Eine Mitversicherung über die Eltern endet in den allermeisten Fällen aufgrund der bestehenden Vertragsbedingungen, zudem wird jetzt die Diensthaftpflicht- und Schlüsselversicherung gebraucht.  

Nach dem Referendariat verändert sich i.d.R. nichts an diesem Versicherungsschutz – er wird weiterhin gebraucht. 

Die frohe Botschaft: ein solcher Versicherungsschutz wird in aller Regel einfach beantragt und kann praktisch sofort losgehen.  

Wichtiger Hinweis

Grau ist alle Theorie – und jahrelange Erfahrung die Basis dieses Ratgebers. Und die lehrt: jeder Fall ist anders.  

Wir können dementsprechend keine Garantie dafür übernehmen, dass eine Umsetzung der hier gesammelten Hinweise auf eigene Faust zum gewünschten Ergebnis führt. Für eventuelle Schäden und Nachteile haftet ausschließlich der Anwender.  Um Sie sicher ins Ziel zu führen, laden wir Sie herzlich zu einem persönlichen Gespräch ein.

Der Lehrer Airbag – ein kostenloser Ratgeber für Lehramtsstudierende, Referendare und Lehrer.